Donnerstag, 25. November 2010

Aus Spaß wird Ernst!

Hallo ihr fleißigen Lesebienchen,

Wieder ist fast eine Woche bei den Bakers rum. Jedoch nicht ereignislos! Wir haben zwei Tage in einer Schule verbracht um dort den riesigen Schulgarten auf Fordermann zu bringen (eine Schule mit Hühnern und grade mal 100 Kindern), natürlich nicht ohne ordentlichen Sonnenbrand an einer höchst unpraktischen Stelle und ich habe mir den neuen Harry Potter Film im Kino angeschaut und festgestellt, dass Ron die Pullover meines Freundes klaut und, dass die Filme wohl wieder besser werden (bis auf die Enden…aber ja Oma, er hat es wirklich nicht leicht der Arme). Außerdem haben wir uns im Backen probiert, denn eine große Kiste Äpfel musste vernichtet werden. Herauskamen nicht nur einfache Streusel mit gebackenen Apfel, sondern auch ein hervorragender Apfelstrudel, den ich an dieser Stelle mal hervorheben muss, Jonas und ich können’s halt einfach! Wenn ich wiederkomme, bin ich eine Küchenfee ;)

Heute wurden wir jedoch gebeten den Tag zu Hause zu verbringen, denn Louise ging es nicht gut. Wir hatten viel Spaß beim Füttern des Babys, welches nicht mal vor Tischen zurückschreckt, beim Genießen der Sonne, denn nach zwei Tagen mit mittelmäßigem Wetter und abends regelmäßig Regen waren es heut wieder gefühlte 35° (… ja, ihr habt Schnee, ich weiß, und ja, ich bin neidisch…und ja, Mama und Oma, ich habe endlich einen Sonnenhut, keine Angst mehr) und nachmittags gab es noch Spaß auf dem Spielplatz mit Dylan und Joe.

Doch auch diese Woche hat ihren Höhepunkt schon gefunden. Wir fuhren zu einem Orchard (so werden hier die großen Felder genannt, auf denen gearbeitet wird, in unserem Falle ein Apfelorchard), um nach Arbeit zu fragen, denn auch nach 20 Telefonaten, die Jonas mit verschiedenen Arbeitsgebern führte, kam nichts raus. Also einfach ins Auto gesetzt, mal sehen was passiert. So sollte man es anscheinend immer machen, denn jetzt haben wir endlich Arbeit! Ab Montag um 8 Uhr bis voraussichtlich Weihnachten werden wir auf einem Mr. Apple Orchard arbeiten. Es ist grade mal ca. 20 km weg von hier. Ab Sonntag werden wir also die Bakers verlassen und bei einem Freund der Familie einziehen. Er hat einen großen, sehr großen Schuppen, der vielleicht auch mal als Stall gedient hat, mit einem Gästezimmer im oberen Geschoss. Dort können wir umsonst bis Weihnachten wohnen. Duschen und essen können wir bei der netten Familie ab und zu mal mit im Haus, wir haben uns grade mit ihnen getroffen und sie haben uns herzlich und mit offenen Armen aufgenommen. Der Hauptraum des Stalles besteht aus Bierplakaten, einem Fernseher, einem Kühlschrank und einem Pooltisch- wie ein großer Partyraum. Alles wichtige also da und wir können alles nutzen. Uuuund sie haben eine wunderhübsche süße Mieze, die sich mit dem schwarzen Riesenhund super versteht, total niedlich, ich durfte vorhin einen Kuss beobachten.
Was ich allerdings nicht weiß, ist, ob wir das Internet auch nutzen dürfen oder nochmal die Möglichkeit haben online zu kommen, vielleicht findet sich ja ein Weg. Wenn der Dezember jedoch ohne Berichte und Mails bleibt, wisst ihr: Anne hat kein Internet oder keine Zeit, aber sie mag euch trotzdem. Deswegen wird dies vorerst mein letzter Eintrag sein (über Arbeit lässt sich eh nichts spannendes berichten), vielleicht auch bis Neujahr, wer weiß wohin uns der Weg führt… (ich hoffe doch aber mal ab und zu in ein Internetcafé)

Wer mir also Weihnachtsgrüße übermitteln will, dann vorsichtshalber bis Sonntag ;) Ansonsten wünsch ich euch einen schönen 1., 2., 3., 4. Advent, einen fleißigen Nikolaus, tolle Weihnachtsferien, ein besinnliches Weihnachtsfest, allen Geburtstagskindern alles Gute (Corina, Julia,… ich denk an euch!) und einen guten Rutsch ins neue Jahr (obwohl ich hoffe, davor noch mal schreiben zu können, deswegen an dieser Stelle auch keine Grüße an Jö, du Silvesterkind…)!

Denkt an mich und vergesst nicht von allen Süßigkeiten die Hälfte für mich aufzuheben, das gilt auch für das Weihnachtskaninchen, die Weihnachtesente aus Plossig, die Plätzchen, den Glühwein und die Geschenke (!!) :)

Und schickt mir Schneebilder!
Und Leah, ich hoffe du findest im Adventskalender trotzdem täglich was für mich mit, so dass ich im April den Dezember nachholen kann und jeden Tag eine kleine Freude habe. Was ist ein Dezember ohne Adventskalender...:(

Grüße aus dem wärmsten Ort Neuseelands (das ist bewiesen!)

In Gedanken bin ich immer bei euch…

Jonas hilt Joe beim "Monkey Walk"

Hauptsache die Kinder basteln Rentiere im Sommer...

Jonas kann es natuerlich auch :D

"Oh Dylan, you are Spiderman!" "No, I'm just a normal boy!!"

Schöne Weihnachten wünschen euch Jonas und Anne

Samstag, 20. November 2010

Also schlecht haben wir es nicht...

Die letzte Woche verging, dadurch, dass wir so viel zu tun hatten, rasend schnell. Sie fing an mit einem Besuch in einem Maori- Kindergarten, dort war unsere Aufgabe den Spielplatz ein wenig umzugestalten, d.h. alte Reifen aus der Erde buddeln und Loecher schliessen. Dafuer bekamen wir eine leckere Bratwurst und einen Einblick in die Ernaehrung der Maori-Kinder und ich muss sagen... ich war schockiert. Jedes Kind hatte eine riesige Brotbuechse mit Chips mit! Zum Mittag! Ein kleines, vielleicht ein Jahr altes Kind wurde mit Chips gefuettert. Ich dachte, ich sehe nicht richtig . Da braucht man sich nicht wundern, wieso hier wirklich ein Grossteil der Bevoelkerung Uebergewicht hat. Wieder zu Hause wurde ein alter Reifen schliesslich als Sandkasten umgebaut, Rasen wurde gemäht, Stühle und Tisch wurden geschliffen und angemalt, mehr Unkraut wurde vernichtet und die Küche wurde geputzt… und das alles bei 32°C. Jeden Tag in der prallen Sonne. Bei einfachen Aufgaben geriet man (ich) schon ins Schwitzen und von 11-17 Uhr war rausgehen nicht möglich (selbst abends halb 7 waren es noch 29°C im Haus), so dass in dieser Zeit häufiger mal ein Mittagsschläfchen gehalten wurde.

Synchronschnarchen auf dem Sofa mit Joe

Doch der Höhepunkt der Woche war heute früh. Wir wurden mitgenommen um Hummer zu fangen. Die Käfige dazu wurden am Abend davor ins Meer gehangen und früh um 8 ging es los um zu schauen, wie viele sich dort zusammen gefunden haben. 3 Käfige waren es insgesamt, in jedem fanden wir schließlich um die 15 Stück, von denen man jedoch meist die Hälfte wieder ins Meer werfen musste, weil sie zu klein waren. Um das rauszufinden, wurden sie also erst mit einem besonderen Messer vermessen und dann entweder in den Sack oder ins Meer geworfen (jedoch lauerten im Meer schon die Feinde der Hummer- die Oktopusse, welche wir auch zu Gesicht bekamen, sehr beeindruckend). Der kleine Joe fand die ganze Aktion so gruselig, dass er mit Händen vor den Augen dastand und sich ekelte. Es war auch eher… naja, aber schon sehr interessant. Insgesamt darf jeder 6 mit nach Hause nehmen, mehr ist gesetzlich verboten und so konnten wir über 20 Hummer mit auf den Abendbrottisch nehmen. James und sein Freund zogen sich nach dieser Hummeraktion ihr Tauchzeug an und gingen noch auf Exkurs unter Wasser um Paua- Muscheln von Steinen abzuschneiden, denn nur Hummer zum Essen ist ja langweilig ;) Es kamen um die 34 Stück zusammen, ein ganzer Sack voll. Übrigens sehen sie ohne Fleisch wunderschön aus, da hab ich mir gleich mal welche in die eigene Tasche gesteckt. Sie sind riesig, ca. handgroß, habe wirklich noch nie so schöne Muscheln gesehen. Bin gespannt, wie sie heute Abend schmecken.
Ihr seht, wir werden hier mit kulinarischem Essen und warmer Sonne verwöhnt, man kann nicht klagen… nur ab und zu mal seufzen...es ist halt doch zu heiss.

Jonas und James heben den Kaefig aus dem Meer

Oktopus
auf der Suche nach den Paua Muscheln

das sollen wir essen?!

einer muss ja Joe ja waermen

gleichzeitig gab es wieder einen wunderschoenen Ausblick
und ohne Fleisch...


Sonntag, 14. November 2010

Zwischen Unkraut und Schneebergen

Jetzt sind wir mittlerweile schon über eine Woche bei der Baker Family und haben versucht bei dem sich anbahnendem Hochsommer Gemüse anzupflanzen, Unkraut zu zupfen und ein Müllhaus zu bauen. Alles gelang uns trotz Sonnenstich und Stress mit den Kindern sehr gut. 

unser Schlafplatz

das Baker Haus

Jonas ist stolz auf seine Tomaten

Heute wurde uns verkündet, dass wir frei haben, also nutzten wir die Zeit um zu den Bergen zu fahren, welche wir schon von weitem sahen. Hohe Eintausender, sogar noch mit Schnee oben drauf- ein Traum… man konnte sich nicht satt sehen. Wir fuhren also zum Ruahine Forest um den Bergen ein Stück näher zu kommen. Nachdem wir unser Auto irgendwo stehen ließen und ich dank des extremen Windes ein Stück Kofferraum auf den Kopf bekam, ging es los. Wir suchten uns unter den vielen Tracks einen aus und begannen unsre Wanderung mit mittelsteilen Wanderwegen, denen steile Trackingpfade, allerdings bergab, folgten. Plötzlich standen wir vor einem Fluss, der zwar wahrscheinlich im Frühling ein größeres Flussbett hat und auch aufregender ist, aber für mich war das schon hart genug. Knappe 2 Stunden ging es am Fluss auf glitschigen Steinen, barfuss durch den Fluss (am Ende doch mit Schuhen, hatte ja eh nasse Füße) und wieder und wieder über den Fluss. Reines Abenteuer, pures Adrenalin und panische Angst für mich. Ich konnte ja jederzeit hinfallen, die Steine könnten abrutschen und ich könnte mir was brechen- Panik! Jonas stärkte jedoch mein Selbstvertrauen indem er leichtfüßig von Stein zu Stein sprang und mir immer mit einer Hand zur Hilfe kam. Ich war froh endlich mit nassen Füßen am Ende des Fluss“weges“ angekommen zu sein und noch einen letzten Blick auf Berge, Schafe und grüne Hügel werfen zu dürfen. Bin nur zweimal hingefallen- yay! Am Ende der Wanderung mussten wir leider feststellen, dass anscheinend doch manche Leute was dagegen haben, wenn ein Auto irgendwo geparkt wird, denn an unserem Auto hing ein Zettel, woher wir denn die Erlaubnis hätten hier auf seinem Grundstück zu parken. Tja, wieder schlauer.
Die nächsten Tage werden mit Sandkasten bauen und weiterem Unkraut zupfen verbracht und am Ende der Woche werden wir weiter sehen, wohin uns der Weg führt. 

Berge mit SCHNEE!
der gefaehrliche Weg
Angst.



Montag, 8. November 2010

Endlich gen Freiheit!

Endlich war der letzte Tag in Hastings gekommen. Aus Wut gab es noch eine letzte Hassnachricht an den Chef der Arbeitsvermittlerfirma, die prompt mit einem Arbeitsangebot für Mittwoch beantwortet wurde (hm… ist klar…), jedoch brachen wir trotzdem am Samstag auf, um die Stadt zu verlassen.
Das Ziel sollte eine WWOOFing Familie sein, wo wir für Gartenarbeit Unterkunft und Essen bekommen sollten. Abends war die Ankunft geplant, also blieb noch genug Zeit ein wenig mehr Neuseeland zu erkunden. Froh endlich Hastings entkommen zu sein, machten wir uns auf zum Cape Kidnappers. Das besondere an diesem Cape ist, dass sich die berühmten Gannetvögel eben dieses Cape zum Nisten und Leben ausgesucht haben. Nach zweieinhalb Stunden Wanderung an einem wunderschönen Strand mit Meer auf der einen und steilen Klippen auf der anderen Seite kamen wir endlich bei den unheimlich vielen und unerwartet großen Vögeln an. Diese Vögel sind ebenso ein Wahrzeichen Neuseelands wie der kleinere Kiwi, den man jedoch noch seltener bzw. nur noch in Zoos zu Gesicht bekommt. Kein Wunder also, dass sich viele Leute die Gannets anschauen wollten, auch wenn die meisten lieber den kostenintensiven Weg per Traktor bevorzugten (im Übrigen größtenteils ältere deutsche Ehepaare). Nicht nur die Wanderung von je 10 km (5h Wanderung insgesamt) war wunderschön, sondern auch das Ziel, das Cape mit den verschiedenen Nistplätzen mit hunderten von Vögeln. Wirklich sehr beeindruckend. 

noch bin ich motiviert zum Wandern...sah nach gut 5h anders aus

yay, Felsspalte



mein Ich-suche-nach-Muscheln-Blick



die beruehmten Gannet-Voegel




leider sieht man die Windstaerke von "umwerfend" nicht besonders gut

Abends kamen wir total fertig (ich zumindest…) bei den Bakers an. Sie leben in Otane, einem kleinen Dorf mit ca. 400 Einwohnern 30 km südlich von Hastings in einem kleinen Häuschen mit 3 Kindern. Drei kleine blonde blauäugige Jungs, Dylan 5 Jahre, Joe 3 Jahre und William 5 Monate- sehr anstrengend. Eine wirklich nette Familie, Louise, geborene Engländerin, ist 36 und zu Hause mit dem Baby und James, Neuseeländer, ist 39 und arbeitet in einer Sicherheitsfirma, jedoch nur um noch genug Geld zu verdienen, damit sie bald wieder umziehen können (zur Zeit ist der Wunschort Sri Lanka). 
Unsere Aufgabe? Gartenarbeit vom feinsten!! Unkraut entfernen, umgraben (besonders Jonas’ Lieblingsaufgabe geworden), Rasen maehen, Gemüse und Blumen pflanzen (jeder durfte eine Sonnenblume mit seinem Namen pflanzen und die, die am höchsten wächst, gewinnt), Bäume beschneiden… weiteres folgt. Dafür dürfen wir in einem Gästezimmer schlafen und das einfach wahnsinnig leckere Essen genießen, welches James zum Dinner kocht. Er ist ein so guter Koch, dass uns abends immer ganz schlecht ist vom vielen Essen (ich sag nur: irländische Klöse mit einer Art Gulasch, Barbecue mit selbstgemachter Mayonaise im Kartoffelsalat, thailaendische Nudeln mit genialem Gemüse u.a. Spargel, Erdnusscookies, Schweinefleisch auf Bohnen und Tomaten und zum Nachtisch noch Erdbeeren mit Sahne… der Hammer!) Nebenbei machen sie ihren eigenen Jogurt, Käse, Brot, Erdnussbutter, Müsliriegel, etc. Sie versuchen möglichst alternativ zu leben und der Aufwand lohnt sich wirklich! Wir arbeiten meistens nur 3-5 Stunden am Tag, so dass wir in unserer freien Zeit die Umgebung erkunden und nach grünen Hügeln mit Schafen und noch mehr grünen Hügeln mit Schafen und noch mehr grünen Hügeln, jetzt kommt’s: mit Kühen (!) auch mal den Strand und das Meer sehen können. 
Bleiben können wir hier so lange wie wir wollen, Jonas spielt wohl noch mit dem Gedanken zur Thinningsaison wieder nach Hastings zurückzugehen (er war da ja auch nicht für einen Monat…), ansonsten werden wir wohl noch woanders WWOOFing machen. Das ist ein guter Weg keine Ausgaben (außer Benzin, aber das ist hier billiger als in Deutschland) und am Tag auch was zu tun zu haben.

Hab ja gehört bei euch schneit es jetzt. Musste ein wenig hämisch grinsen, denn wenn ich bei uns aus dem Fenster sehe, ist alles blau und hell und lädt zum im TShirt rumlaufen ein. Aber ihr wisst… Schnee würde ich allemal bevorzugen. Jederzeit.
Lasst es euch nicht zu kalt werden!

Mittwoch, 3. November 2010

Napier und Ocean Beach

Gestern verließen wir Hastings in Richtung Napier. Eine Stadt, die in Neuseeland besonders durch ihre Art Deco Architektur heraussticht. War...nett. Sind viel rumgelaufen, bergauf bergab, fanden einen Lookout über den Hafen und sahen uns den Napier Strand genauer an. Napier war bis jetzt die erste Stadt, wo man sich vorstellen kann zu leben. 





ein kleiner Eindruck der Art Deco
so sieht in Napier ungefähr jedes Haus aus

Heute verbrachten wir den Tag am Ocean Beach, ein schöner Strand umgeben von einem noch schöneren Panorama. Grüne Berge mit Schafen überall. Die Lufttemperatur entspricht leider noch nicht der Wassertemperatur...aber das kommt sicher noch, so um Weihnachten rum ;-)
Apropo Weihnachten. Dafür haben wir schon einige Pläne. Dieses wunderbare Fest der Liebe wollen wir nämlich auf dem Schicksalsberg aus "Der Herr der Ringe" verbringen. Ein Vulkan, der in Wirklichkeit 2200m hoch ist, im Tongariro National Park steht und das Ziel eines VierTagesWalks ist. Silvester wollen wir versuchen in Wellington der Landeshauptstadt zu sein und danach runter auf die Südinsel, welche eine noch beeindruckendere Landschaft haben soll. Aber davon werden wir uns wohl bald selber überzeugen können.