Sonntag, 26. Dezember 2010

Fortsetzung

Am 25.12. hieß es also: Kiwi- Christmas. Klingt erstmal aufregender als es ist, denn genau wie unsere Feiertage Nummer eins und Nummer zwei, besteht Weihnachten in Neuseeland vorrangig aus Essen und noch mehr Essen. Also hieß es nach dem reichlichen Frühstück bestehend aus Schokokeksen, auf nach Napier zu Marees Bruder um dort ein gutes Barbeque bei gefühlten 32°C mit Marees Familie zu verbringen. Aber, Problem: Wir sind 7 Leute, wir passen doch gar nicht alle ins Auto? Wozu haben wir eine Harley im Schuppen stehen! Also Jonas rauf und hinter Chizel geklemmt, ab nach Napier. Ein Ereignis, dass er wohl nicht so schnell vergessen wird!

Als weitere Schwierigkeit sollte sich herausstellen den Magen genau so voll zu füllen, dass nach dem reichlichen Mittagessen noch Nachtisch, Abendbrot und noch mal Nachtisch reinpasst. Denn Kebab, Schrimps, Huhn, Lamm und Kartoffelsalat stopft ja nicht, nein, da muss man noch Erdbeer- und Zitronenkäsekuchen, Christmaspudding, Fruchttiramisu und allerlei kalorienreiches Zeug zum Nachtisch in sich reinstopfen, damit man danach noch richtig Lust auf das Abendbrot hat, was wenige Stunden danach statt finden sollte und auch schon groß angekündigt wurde. Denn dort stand dann, in Hastings bei Chizels Familie angekommen, auf dem Speiseplan: Schwein mit Apfelsoße (traditionell neuseeländisch), Schinken, Salat, Erdbeeren, Zitronenküchlein, Kaffeetiramisu und eine Menge Chips mit Dipp.

Aber halt! Die aufmerksamen Leser unter euch werden gemerkt haben, dass der Übergang oder auch die Fahrt von Napier nach Hastings total ausgelassen wurde! Nur soviel dazu: einmal auf einer Harley mitfahren ist wohl ein Erlebnis, dass man gemacht haben muss, denn sich in einer Lederjacke und schweren Helm von hinten an einen Mann, der genauso gekleidet ist, festklammern und hoffen, dass man nicht hintenüber fällt bei dieser Geschwindigkeit, ist auf jeden Fall ein Erlebnis, dass ich nicht missen möchte!

Fröhlich ging der Abend zu Ende und alle waren glücklich endlich ins Bett fallen zu können, wie auch nicht bei so einem vollen Bauch.

Eins muss ich jedoch sagen: Weihnachten hat im Gegensatz zu Christmas einfach mehr Stil. Aber das ist wahrscheinlich alles sehr wetterabhängig. Weihnachten ist einfach nicht Weihnachten ohne Kälte und Kuschelstimmung, die die ganze Weihnachtszeit über herrscht. Hier wird sich größtenteils nur zum Essen getroffen, alles andere ist relativ nebensächlich, wobei es bei uns doch mehr um die Familie, das Zusammenkommen und den Spaß miteinander geht. Wir saßen auch hier am Tisch und haben geredet und gelacht, es ist wahrscheinlich nur nicht Weihnachten ohne die eigene Familie um sich herum. Trotzdem auf jeden Fall eine Erfahrung wert!

Ein Weihnachtsdinner steht uns noch bevor und schließlich werden wir am 27.12. weiterreisen. Auch, wenn wir uns hier wirklich sehr eingelebt haben, Otane mittlerweile so was wie unser „Heimatsdorf“ ist und wir Familienmitglieder der Familie Tweedie geworden sind, muss es wohl mal weitergehen, schließlich warten ja noch andere Teile Neuseelands auf uns! Mal sehen, ob Maree uns überhaupt gehen lässt… wir sind offiziell ihre „neuen Kinder“. Es war wirklich eine verdammt schöne Zeit, wohl die schönste bisher und es war ein tolles Gefühl ein zu Hause und Menschen zu haben, an die man sich wenden kann, wenn man Probleme jeglicher Art hat. Wir werden auf jeden Fall auch weiter in Kontakt bleiben und sie haben uns versprochen nächstes Jahr nach Deutschland zu kommen! Auf jeden Fall wollen sie sich noch mal mit uns in Neuseeland treffen, vielleicht sogar schon bald in Wellington, denn unsere Post aus Deutschland ist immer noch nicht da und diese wollen sie uns überbringen.

Dies wird also für dieses Jahr mein letzter Eintrag sein, denn jetzt geht es weiter in den Tongariro National Park, um den sogenannten „Northern Circuit“ zu bestreiten. Eine Viertageswanderung mit Schlafen auf dem Campingplatz zwischendurch. Dort befinden sich zwei Vulkane, einer ist den meisten auch als der Schicksalsberg aus „Der Herr der Ringe“ bekannt. Danach soll es weiter nach Westen gehen, zum Whanganui National Park, um dort ebenfalls ein wenig zu Fuß die Gegend zu erkunden, weiter zum Mount Taranaki, ein alleinstehender Vulkan hoffentlich noch mit Schnee und letztendlich in die Hauptstadt Neuseelands Wellington, um von dort die Fähre auf die Südinsel am 6. Januar zu erwischen. Das Internet wird also rarer, vielleicht findet man es ab und zu mal in Internetcafes oder bei Couchsurfern, ich gebe zumindest mein bestes!

Ich wünsch euch einen Guten Rutsch ins Neue Jahr! Nehmt euch alle viele Sachen vor, denn selbst einen Tag einhalten und dann wieder über Bord werfen, macht Spaß! Ich muss wohl nach soviel Essen erstmal den Vorsatz Diät ganz groß schreiben ;)

Jonas auf der Harley, yeah!

Weihnachtscracker

Nachtisch
Hauptgang


und nach dem Nachtisch...

unser Chizelkönig, man achte auf das Shirt :D

die neue Bikerbraut

Freitag, 24. Dezember 2010

Der Unterschied zwischen Weihnachten und Christmas

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll die letzten Tage zu beschreiben… es waren unwahrscheinlich schöne und ereignisreiche Tage, die mein zukünftiges Weihnachten wohl ein bisschen durcheinander bringen werden…

Angefangen hat es wohl an unserem letzten Arbeitstag. Wir waren wirklich nach 3 Wochen Arbeit ziemlich verbittert und wollten es einfach nur noch hinter uns bringen. Denn so langsam gingen uns nicht nur die Äpfel, sondern auch der Chef gehörig auf den Keks. Nachdem es an einem Tag hieß „für die Bäume bekommt ihr 3,60$ pro Baum“ und am nächsten Tag hieß es dann „ihr wart zu schnell, das können wir euch nicht bezahlen, ihr bekommt nur 2,80$ pro Baum“, hat es uns dann wirklich ziemlich gereicht. Ich war so frustriert, dass ich den Baumrekord geknackt habe und 46 Bäume innerhalb 8 Stunden gemacht hab. Wir konnten also gar nicht mehr auf den letzten Tag warten.

Letzter Tag, wir stehen auf- strömender Regen. Ich schlaf gleich mal weiter, schließlich wurde uns doch gesagt bei Regen gibt es keine Arbeit. Jonas ruft, vorbildlich wie er ist, an und 20 Minuten später befinden wir uns wieder zwischen Apfelbäumen. Zum Glück zum letzten Mal, nur leider hörte der Regen gar nicht mehr auf. Doof. Klitschnass und frustriert wurde also auch das Thema Arbeit endgültig abgehakt, denn das Geld reicht hoffentlich bis zum Ende der Reise, welches im Übrigen schon verfrüht Anfang März sein wird (9.3.2011 5.15 Uhr bin ich wieder auf deutschem Boden).

Ab da hieß es eine Woche frei- YES! Erstmal entspannen, schließlich musste sich der Rücken und die mittlerweile schwarzen Arbeitshände wieder auskurieren. Weiterhin hieß es: Sushi selber machen, Radtour in die 9 km entfernte Stadt (übrigens ein richtiger Schock für die Neuseeländer „was soo weit? Und auch wieder zurück?? Alles mit dem Rad??“- man sieht, Rad fahren ist nicht so beliebt hier), Weihnachtsgeschenke für die Familie kaufen, erfolgreiches Mitternachtsshopping in Hastings, Marie aus Hastings abholen, in einem original neuseeländischen Pub Bier trinken mit Chizel, Abendessen mit deutschen Apfelstrudel bei den Nachbarn Pamela und David (für die wir auch schon mal einen Tag gewwooft hatten) und natürlich ununterbrochen Weihnachtsvorbereitungen treffen. Denn natürlich wollten wir ein ordentliches deutsches Weihnachten am sogenannten „Christmas Eve“ also am 24.12.

In Neuseeland werden, wie in vielen anderen Ländern, Geschenke erst am 25.12. am „Christmas Day“ in die Socken gepackt und am Frühstückstisch schließlich wieder entpackt. Das heißt: Deutsches Weihnachten am 24.12. für uns und Kiwi Weihnachten am 25.12.!

Einen Tag vor Weihnachten haben Marie und ich vorbildlich Plätzchen gebacken und verziert und haben noch letzte Einkäufe für unseren sächsischen Kartoffelsalat betätigt. Die Tweediefamilie versuchte alles um uns ein richtig schönes deutsches Weihnachten zu bescheren und hat ganz klassisch fast (!) deutsche Bratwürste und fast (!) deutsches Schwarzbrot besorgt, die prima zum Kartoffelsalat passen sollten.

Am Morgen des 24. hieß es also: Weihnachtsmannmützen auf und alle gemeinsam am Tisch zum Frühstück in der Sonne einfinden. Danach gab es einen kleinen Ausflug zum Fluss, wo fröhlich gebadet und trotz des starken Sturms die Sonne genossen wurde. Abends war es dann soweit- der Barbecuegrill wird endlich angeschmissen! Pamela und David wurden natürlich auch eingeladen, schließlich sollten möglichst viele Leute von einem deutschen Weihnachtsfest überzeugt werden. Nach einem kleinen Vorgeschmack mit echtem Auckland Stollen, der dem deutschen Stollen überraschend ähnlich geschmeckt hat, ging es über zum Dinner. Halt, eins noch, richtig, Geschenke. Maree hatte sich wirklich viel Mühe gemacht und für uns kleine Pakete gepackt mit allerlei Neuseelandkram drin. Von Kiwihandyanhängern über Maoriketten und Neuseelandmützen bis hin zu Kiwiweihnachtsbaumschmuck und natürlich Schokolade! Von allem war etwas dabei, einfach Wahnsinn diese Frau (ich will hier nicht mehr weg!). Unser klassisches Weihnachtsdinner wurde gut mit dänischem Carlsberg runtergespült und alle freuten sich, als unser Versuch Sangria zu erhitzen um Glühwein herzustellen, gelang. Chizel genoss sein Weihnachtsgeschenk besonders, für ihn gab es ein gutes Krombacher (übrigens in 0,66er Flaschen und runtergesetzt von ca. 2,50€ auf 1,80€- die Flasche!). Feuchtfröhlich endete der Abend und vollgestopft mit jeglicher Art von deutschem Essen gingen alle ins Bettchen, denn morgen war ja erst das „richtige“ Weihnachten. FULL AS!

Die Beschreibung des Kiwi Christmas folgt morgen. Denn in wenigen Minuten geht es los- das Fressfest!

Bis dahin lass ich euch mit diesen wunderbaren Bildern allein.


beim Plätzchen backen

Frühstück in der Sonne

baden gehen an Weihnachten?!

mit Chizel im Fluss


Kartoffelsalat, Bratwürste und Schwarzbrot:)

Nachtisch

Anstoßen mit "Glühwein"

meine Katie

Dinner

ein einfach unbeschreibliches Fest!

Ich wünsche euch auch ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest, mit viel Essen, Geschenken und vor allem Entspannung!
Ich denk an euch :)

Montag, 20. Dezember 2010

Samstag, 11. Dezember 2010

Stille Nacht...





So sah unsrer Abend gestern aus... wunderschön.
Und um euch noch ein wenig neidischer zu machen, heute früh waren wir in der Dorfskirche in Otane und haben Weihnachtslieder gesungen. Schon mal Jingle Bells als Sommerweihnachtslied gehört? Ich sing es euch vor, wenn ich wieder komme. Nur so viel: "Christmas day the Kiwi way, by the barbeque" (Weihnachten nach Kiwi Art, gefeiert wird beim Grill) :)

Longest Place Name

Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu

oder auch

"Der Felsgipfel, wo Tamatea, der Mann mit den dicken Knien, der herunterglitt, hinaufkletterterte und Berge verschlang, bekannt als der Landfresser, auf einer Flöte seiner Geliebten vorspielte."

oder auch

einfach ein unspektakulärer 305 m hoher Hügel, der den längsten Namen der Welt hat und deswegen ein verdammt cooles Namensschild hat

85 Buchstaben...




die Tweediefamily und wir

die Beschreibung

der genannte Hügel


Donnerstag, 9. Dezember 2010

"Oh Weihnachtenbaum, oh Weihnachtenbaum"

Und mal wieder habe ich Internet und kann es zum Blog erstellen nutzen:)
Wir wohnen immernoch bei Maree- eine großartige Köchin, Chisel- steht auf seine beiden Harleys und Connor- 12 Jahre alt und sehr verwöhnt,  in unsrer eigenen großen Scheune und bekommen jeden Abend ein wundervolles Dinner.
Im Gegenteil zu euch, die ihr jeden Tag 25cm Neuschnee habt, haben wir immer noch Sonne, Hitze und absolut kein Weihnachtsfeeling. Obwohl... langsam bahnt sich da so ein warmes Gefühl in der Bauchgegend an. Denn es wurde der Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt und wir haben sogar einen eigenen bekommen! Zur Feier des Tages wurde "Christmastree" ins Deutsche übersetzt und Marre sang fröhlich durchs ganze Haus "Oh Weihnachtenbaum, oh Weihnachtenbaum!!"- herrlich! Jeden Abend werden jetzt Weihnachtsmannmützen getragen, um sich schon mal ein bisschen einzustimmen. Denn auch Weihnachten werden wir mit der wunderbaren Tweediefamilie verbringen. Sie haben uns und auch Marie (eine Schulfreundin und ehemalige Rewearbeitskollegin), die bald zu uns stoßen wird, zum neuseeländischen Weihnachtsfest eingeladen. Mit viel Essen, viel Alkohol, viel Familienzeug, viel Spaß und noch mehr Essen werden wir also unser erstes (und hoffentlich letztes) Sommerweihnachten verbringen. Ich freu mich schon total drauf, wenigstens ein bisschen Familien- und Feierstimmung, denn Maree und Marie sind mindestens so aufgeregt wie ich :)

mein Schlafreich in der Scheune

Chisel und Jonas beim Poolspielen in unsrer Scheune

die besagte Scheune

Chisels Haus mit Hund Judge

unser Weihnachtenbaum (es kommt hoffentlich noch mehr Schmuck)


Aber, da man natürlich erstmal Geld verdienen muss, damit man sich ordentliche Geschenke in die Socken unter den "Weihnachtenbaum" stecken kann, arbeiten wir bis ca. 20.12. auf einer Mr. Apple Plantage. Den ganzen Tag nur Äpfel, Äpfel und noch mehr Äpfel. Selbst mit Augen zu sieht man nur noch Äpfel. Letzte Woche haben wir nur 4 Tage gearbeitet, denn es wurde gesprayt und die freien Tage wurden ordentlich mit meinen ersten Fish and Chips am Napier' Strand gefeiert. Was? Meine ersten Fish and Chips? Ever?? Bullshit!! (Chisels Reaktion)
Ansonsten betreiben wir jeden Tag sogenanntes "Thinning". Das heißt: Apfelbäume von großen Gruppen von Äpfeln befreien. Aus großen Gruppen mit bis zu 7 Äpfeln werden kleine Gruppen, jedoch auch auf die Größe kommt es an! Wenn die Äpfel zu klein sind, kommen sie ab, wenn sie ok sind, bleiben sie in einer Einzelgruppen und, wenn sie gut und groß sind, bleiben sie in Zweiergruppen. Manchmal muss man auch auf den Abstand achten. Ist der Abstand kleiner als eine Männerfaust- einzelne Äpfel, eine Männerfaust- Zweiergruppen, zwei Männerfäuste- Dreiergruppen. Klingt so anspruchsvoll und interessant wie es ist... nämlich gar nicht. Nach zwei Tagen haben wir uns dran gewöhnt und aus 5 Äpfelbäumen am Tag wurden auch schon mal 22. Heute nach 4 Tagen haben wir unsre Reihe von 55 den größten Bäumen fertig bekommen. Das ist jedoch alles abhängig von der Menge der Äste an einem Baum. Ist es ein voller Baum gibt es bis zu 9$ pro Baum, ansonsten auch schon nur mal 4,50$ (alles vor der Steuer... und diese beträgt hier 19%). Ihr könnt euch also ungefähr unser Gehalt vorstellen, denn nachdem wir 3 Tage eingearbeitet wurden und stündlich bezahlt wurden, heißt es jetzt schnellschnellschnell und natürlich ordentlich, denn hinter jedem Baum kann schon wieder der Chef warten, die Bäume checken und dir sagen, dass du alles nochmal machen darfst... Langsam wird alles zur Routine und zu einer automatischen Bewegung. Wenn man das 8 Stunden jeden Tag macht (und auch noch früh um 5 aufstehen muss), kann es wirklich anstrengend werden, besonders weil es zwischen Regen und Hitze wechselt und beides ist auf einer hohen Leiter nicht grade angenehm. Unser Team ist eigentlich recht umgänglich, es besteht aus uns und ca. 5-6 neuseeländischen Teenagern (je nach Laune ist man mal anwesend...). Man merkt jedoch sehr den Unterschied zwischen Deutsch und Kiwi. Wir machen die dreifache Menge an Bäumen am Tag und haben einfach eine andere Einstellung zu Arbeit, denn man hält ja auch gern mal ein Nickerchen unter und zwischen den Bäumen.

Wie ihr mal wieder seht: Wir verhungern definitv nicht und außer meiner Erkältung, die mir übel zu schaffen macht, geht es uns super!
So verabschiede ich euch mal mit einer neuseeländischen Redeart : Sweet az!!! (=alles klar!) :)

noch ein Höhepunkt: typisch Neuseeland, Schafe auf der Straße... und im Vordergrund unser prima Riss in der Frontscheibe... no worries...

herrlich!