Mittwoch, 2. März 2011

Nass.

Nach 6 Tagen wieder frischgeduscht und endlich auch mal wieder Haare gewaschen (Papa hätte gesagt "wir brauchen heute kein Fett zum Braten, Anne hats auf dem Kopf") sitz ich nun in Christchurch und kann euch über die vergangenen vier Tage im Busch berichten.

Wie schon erwähnt, verbrachten Jonas und ich die letzten Tage im Fjordland, genauer gesagt auf dem Milfordtrack, dem angeblich schönsten (und wahrscheinlich teuersten) Wanderweg der Welt. Und wir hatten ein Wahnsinnsglück! Denn von durchschnittlich 7 Meter Regen im Jahr (!) und ungefähr 17 Regentagen im Monat Februar hatten wir grade mal einen Regentag! Das ist fast ein Lottogewinn, nein nicht nur fast, ich würde sogar soweit gehen und sagen das war ein Lottogewinn!

Der erste Tag war recht angenehm. Das Wetter hat gestimmt, die Fähre über den Lake Te Anau zum Start des Tracks war schön und auch die nur 5 km lange Wanderung durch einen Urwald war recht angenehm. In der ersten Hut lernten wir unsere Mitstreiter kennen. Denn da nur 40 Wanderer (+ 40 geführte Wanderer mit Guide) am Tag zugelassen sind, liefen wir 4 Tage mit den gleichen Leuten. Ein bisschen Ferienlageratmosphäre. Beim Vorstellen der Leute erlebten wir unser Blaues Wunder: Wir waren die einzigen Deutschen!! Das war nun wirklich eine Premiere, die wir nicht vorausgesehen hatten!

Am zweiten Tag sollte uns schon eine längere Wanderung bevorstehen. 16,5 km mit 5-6 Stunden waren ausgeschrieben. Es war leider so warm, dass selbst die gradlinige Wanderung ziemlich anstrengend war. Unterwegs trafen wir auf kleine Spiegelseen und eine atemberaubende Aussicht. Wir liefen durchs Tal und um uns waren hunderte von Wasserfällen, die von den steilen Bergwänden runterliefen. Außerdem konnte man sogar Gletscher entdecken. Wir trafen auf ein Tier, von dem es nur noch ca. 400 Exemplare in ganz Neuseeland gibt: Die Blueduck, wie der Name schon sagt eine blaue Ente. Sowieso war die Vogelvielfalt mal wieder kaum zu übertreffen; Keas, Kakas (auch eine Papageienart), Wekas und die kleinsten Vögel Neuseelands waren überall. Man kam sich immer leicht veräppelt vor, wenn man schon zwei Stunden vor der eigenen Hut auf die riesigen Luxuslodges der geführten Wanderer traf… aber ein Raum mit 20 älteren Männern, die alle schnarchen, hat natürlich auch Stil…

Der dritte Tag war weitaus anspruchsvoller, wenn auch nicht so schwierig wie erwartet. Wir brauchten für 14 km fast 7 Stunden, was vor allem am Anstieg, aber noch mehr am Abstieg lag. Zwei Stunden ging es bergauf bis ich endlich auf einer Höhe von 1154 m angekommen war: Dem Mackinnon Pass. Von oben sollte man eine schöne Sicht auf Täler und Berge haben, leider hat mir jedoch eine dicke Wolkendecke jeglichen Ausblick versagt. Durchgefroren machten wir uns nach langer Pause auf, um wieder runterzugelangen (lustig dabei ist die Anekdote, dass Jonas seine Kamera oben liegen ließ und noch mal hoch laufen musste, zum Glück gibt es die Israelis!). Ich sag euch, ca. 3 Stunden bergab laufen, ist kein Fest. Das sagte mir auch mein Muskelkater am nächsten Tag. Auf dem Weg zur dritten und letzten Hut nahmen wir den Abzweig zu den höchsten Wasserfällen Neuseelands. Die Sutherland Falls sind mir ihren 580 m Höhe wirklich wahnsinnig beeindruckend und wohl auch mein Höhepunkt der Wanderung. Jonas lies es sich nicht nehmen sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen und bei gefühlten -10°C kalten Wasser hinter den Wasserfall zu laufen. Sehr lustig anzusehen!

Der letzte Tag war zugleich auch der schlimmste, nicht unbedingt anstrengend, da es 18 km nur eine gerade Strecke über Steine und Pfützen langging, sondern, weil er verdammt nass war! Um halb 8 brachen wir schon im strömenden Regen auf, ließen uns die gute Laune aber trotzdem nicht nehmen. Unterwegs tanzten wir mehrmals unseren Swingbridgetanz, empfehle ich jedem! Auf eine Schwingbrücke stellen und einfach mal drauf tanzen, am besten noch im Regen, das ist ein Spaß!! Das positive am Regen jedoch waren die abertausende von Wasserfällen, die jetzt an den Steinwänden zu unseren Seiten in Massen vorhanden waren. Man läuft durch einen Urwald, rechts und links hohe Berge mit Wasserfällen, man schaut nach hinten und sieht nur Wolken, das war wirklich recht mystisch, aber wunderschön. 13 Uhr kamen wir schließlich an unserem Ziel an, war auch Zeit nach einem 53,5 km Lauf! Leider hieß unser Ziel Sandfly Point, ihr könnt euch vorstellen, was da los war... Die Fähre trug uns durch den Milford Sound, von dem wir leider wegen den Wolken nicht allzu viel sahen, zurück in ein kleines Touristendorf, wo die meisten den teuren Bus zurück nach Te Anau nahmen. Nicht mit uns! Wir hatten schließlich schon genug Geld ausgegeben! Also nutzen wir die einzige Alternative von dort wieder zu unserem Auto zu gelangen: Daumen raus und hoffen. Leichter gesagt als getan, denn ich habe noch nie in meinem Leben so viele verdammte Sandflies gesehen! Übel! Ich mag gar nicht mehr dran denken. Nach einer halben Stunde Horror hielt zum Glück ein älteres dänisches Ehepaar, welches uns sicher zu unserem geliebten Dolly-Auto zurückbrachte. Dann hieß es erstmal Stinkeschuhe und nasse Klamotten aus und weinen, dass die Füße die doppelte Größe erreicht hatten… Man gings mir mies (an dieser Stelle hätte ich gerne etwas Mitleid…).

Alles in allem war es wirklich wunderschön und man MUSS es einfach gemacht haben, aber… ob es das Geld wert war, ist wirklich fraglich. Trotzdem eine tolle Erfahrung.

Marie begrüßte uns dann zum Glück mit gemachten Schnittchen und so waren wir bereit am nächsten Tag nach Christchurch aufzubrechen. Was uns dort erwartete, wussten wir ja schon aus dem Fernsehen, aber es mit eigenen Augen zu sehen, ist einfach… zu krass… Es ist wirklich ein komisches Gefühl durch kaputte Straßen zu fahren, zu sehen, dass jede Straße, die in die Innenstadt führt gesperrt ist und durch Militärmenschen bewacht wird und beim Einkaufen gezählt zu werden, denn nur 400 Menschen gleichzeitig waren zugelassen. Der Verkehr war ein reines Chaos. Viele Gebäude, die man noch von vor 4 Wochen kannte, sind zerstört und… nein, es ist einfach zu übel dieses Gefühl. Es ist grade mal eine Woche nach dem großen Beben um und mittlerweile ist die Zahl der Toten auf 155 gestiegen, viele werden noch vermisst und 50.000 Menschen haben die Stadt bereits verlassen. Gestern Abend erst gab es wieder ein kleineres Nachbeben, welches wir sogar hier 50 km von der Stadt fühlten.

Mein Flug geht (hoffentlich) in 3 Tagen und dann wartet Sydney auf mich und vor allem NIE WIEDER Sandflies (obwohl es wohl in Baden-Württemberg auch welche geben soll… hehe)!!! Ich freu mich drauf :)

auf der ersten Fähre





endlich oben angekommen...zum Glück fast keine Augenringe...



mein Weg ins nichts...


Sutherland Falls

:D


nass...bisschen...

unsere geliebten Swingbridges


YES!

Schade, dass wir uns bald trennen müssen... die zwei Bekloppten werden mir ganz schön fehlen... war ne schöne Zeit mit euch:)

2 Kommentare:

Tante Co. hat gesagt…

Liebe Anne, von Sandfliegen in BW habe ich noch nichts mitbekommen. War dir noch nie so nah wie in den letzten Monaten, du wirst mit fehlen. Gute Weiterreise. Tante Co.

Oma Gi hat gesagt…

Hallo Anne,
müssen ja keine Sandflys sein, aber Mücken gibt es im Cottbuser Garten auch.
Kannst ja zur Auswertung kommen - Opi liebt sie besonders!!!!!!!!!!
Trotzdem sind wie froh, dass du fast wieder Land unter den Füßen hast!