Dienstag, 18. Januar 2011

Ungewaschen und im ZickZack quer durch die Südinsel

Und schon wieder ist eine Woche um, Leute wie die Zeit vergeht ist wirklich etwas beängstigend.

Vom kleinen Hippiedorf Takaka ging es weiter Richtung Abenteuer. Halt gemacht wurde unterwegs am Lake Rotoroa, wo wir leider nach 2 Sekunden Autotür offen feststellten, dass wir hier nicht bleiben wollten. Denn schon nach kurzer Öffnung befanden sich ca. 20 Sandflies im Auto. Wir schnell raus, schnell Foto, schnell gemerkt, es geht nicht mehr und wieder rein ins Auto. Eine wahre Invasion. Da sollen wir uns dran gewöhnen? Niemals! Auch auf unserem Campsite für die Nacht stachen sie uns wieder ununterbrochen in Fuß und Hand, denn alles andere war bereits dick eingepackt. Das einzige gute an ihnen ist, nachts gehen sie schlafen- zum Glück!

Am nächsten Morgen brachen wir weiter von der Golden Bay Richtung Westküste, genauer gesagt Westport auf. Unterwegs wurde an den Maruia Falls und Cape Foulwind Halt gemacht, wobei beim letzteren wieder Robben und auch Wekas gesichtet wurden. Wekas sind kleine hässliche Vögel, die nicht fliegen können und deren einzige Angewohnheit es ist, Menschen zu nerven, hab ich zumindest das Gefühl. Kaum packten wir was zu essen aus, wollten sie es haben und scheuten auch nicht mir in den Fuß zu hacken und fast ins Auto einzusteigen. Unterkunft gab es für die nächsten Tage in der Nähe von Westport bei Couchsurfinghost Dave in einer ziemlich coolen umgebauten Scheune. Dort genossen wir neben ordentlicher Rockmusik und guter Filme auch ein nettes Lagerfeuer.

Ein Tag autofrey sollte genügen, denn der Weg ging weiter erst Richtung Süden und dann weiter an die Ostküste. Wer sich vielleicht unsere Route mal auf einer Karte anschaut oder angeschaut hat, wird feststellen, dass wir ziemlich im Zickzack fahren. Das machen wir allerdings mit Absicht so, immer über die Pässe von Westen nach Osten und wieder zurück. Schließlich wollen wir alles abdecken und viel gesehen haben! Halt machten wir an Bilderbuchstränden und in Punakaiki, das zuhause der bekannten „Pancake Rocks“ (Pfannkuchen Felsen). Diese heißen deswegen so, weil sie genau wie aufeinandergestapelte Pfannkuchen aussahen, durchsetzt mit sogenannten „Blowholes“, in denen das Wasser nur so „hochgeblasen“ wird. Sehr beeindruckend und wunderschön anzusehen! Diese Pancake Rocks sind verschiedene Sedimentschichten, die durch den Druck des Meerwassers zusammengepresst wurden und durch die Plattenverschiebung an die Oberfläche kamen. Außerdem sind Wind und Wetter natürlich auch ein Faktor für das heutige Aussehen.

In der größten Stadt der Westküste Greymouth, die vielleicht einigen durch die aktuelle Zeitung bekannt ist, denn vor ca. 4 Wochen gab es hier ein schreckliches Minenunglück, bei dem 29 Leute starben, machten wir auch kurz Halt. Jedoch nur um uns mit 3l Wein und ordentlichem Essen (kalte Spagetti aus der Dose…) einzudecken. Geschlafen wurde nach einem kleinen Walk zum Point Elizabeth und einem wunderschönen Sonnenuntergang am Meer, der durch den Wein noch schöner wurde, direkt im Zelt am Strand. Mit Meeresrauschen im Ohr schläft es sich gut- denkste, unsere geliebten Wekas hielten uns mal wieder wach, denn man könnte ja im Müll etwas Essbares finden.

Der nächste Tag war wieder ein anstrengender Fahrtag, denn über den Lewis Pass, der West- und Ostküste verbindet, fuhren wir nach Kaikoura. Unterwegs gab es die südlichen Alpen, leider nur noch mit wenig Schnee, ein umwerfendes Valley und die Touristenstadt Hanmer Springs zu bestaunen. Zum Glück sind die Sandflies an der Ostküste, wenn überhaupt vorhanden, nicht so aggressiv, sodass wir eine relativ ruhige Nacht nähe Kaikoura auf einen Campingplatz verbringen konnten. Zum Thema Campingplätze hier: Wir zelten vorrangig auf „Basiccampingplätzen“, diese sind kostenlos, meistens gibt es da aber nur ein WC. Dann gibt es die „Standardcampingplätze“, bei denen schon Trinkwasser und WC’s gestellt werden, die allerdings um die 6$ pro Nacht kosten. Die „Servicecampingplätze“ beinhalten kalte Duschen und sind auch dementsprechend teurer. Da wir meistens die Nächte auf Basicplätzen oder einfach wild campend verbringen, sparen wir unheimlich an Unterkunftsausgaben, heißt, wir bezahlen quasi nichts für Unterkunft. Alle 4-5 Tage mal bei einem Couchsurfer duschen oder auch mal Haare waschen in dem Waschbecken auf dem Behindertenklo, ist unser Luxus auf den wir uns immer freuen. Man gewöhnt sich auch schnell an die mangelnde Hygiene. Was passt besser zu kalten Dosenspagetti und jeden Tag Haferflocken mit Milchpulver, welches in kalten Wasser eingerührt wird (so schmeckt es auch), als fettige Haare und unrasierte Achseln- so muss das sein! ;-) Nein, so schlimm ist es nicht. Keine Angst. Wir gönnen uns schon ab und zu mal was (Montag ist jetzt der Ich-gönn-mir-was-Tag) und wir essen auch zwei Mahlzeiten am Tag, wenn auch nicht sehr abwechslungsreich.

Wo wir grade beim Thema Essen sind. Unser Frühstück fand in Kaikoura am Meer Stadt und was sehen wir natürlich beim Blick auf Meer und den Mund voller Haferflocken? Da springen doch nicht wirklich Delphine aus dem Wasser! Dieser Moment war wirklich wie im Film, einfach großartig. Kaikoura ist als Heimat von Delphinen und Walen bekannt, denn im Meer vor Kaikoura befinden sich viele Nährstoffe im Meer, die diese Tiere einfach zum fressen gern haben.

Ich musste eben das Schreiben für 15 Minuten unterbrechen, denn wenn man schon nicht mit Essen oder Hygiene verwöhnt wird, so wird man es hier auf jeden Fall mit Sonnenuntergängen. Und, wenn dieser dann noch auf Alpen und Meer trifft… einfach traumhaft.

Weiter im Text. In Kaikoura ist deswegen auch die Hauptattraktion, neben dem umwerfenden Panorama von Südalpen im Hintergrund und Meer im Vordergrund, Schwimmen mit Delphinen oder Robben oder Fahrten rauf aufs Meer um Delphine, Albatrosse oder Wale in freier Wildbahn zu beobachten. Da ja am nächsten Tag Montag war, gönnten Marie und ich uns eine „Whale Watching Tour“ (Wale besichtigen) . Nicht grade billig, aber, da ich ja bald Geburtstag habe…;-)

Mit dem Boot und ca. 50 anderen älteren deutschen Touristen ging es ab aufs Meer und auf die Suche nach Walen. Neben hohen Wellen und einem wachsenden mulmigen Gefühl in der Bauchgegend fanden wir allerdings nicht viel. Plötzlich tauchten viele Albatrosse auf, im Übrigen die Vögel mit der größten Flügelspannweite, diese kann nämlich bis zu 3,3 m betragen. Aber für die waren wir ja nicht hier. Raus aufs Deck nach Walen suchen, runter wieder sitzen und anderen beim Übergeben zuhören und wieder raus. So ging es ungefähr 2 Stunden bis wir den ersten „Wal“ sahen, es blieb nur eine Schwanzflosse übrig und es sollte eine Stunde dauern bis er wieder auftaucht. Die Crew versprach uns schon ein Teil des Geldes zurück… spitze. Auf dem Rückweg allerdings sollte sich das Geld doch noch bezahlt machen, denn plötzlich trafen wir auf einen Pottwal! Der lag da einfach ganz gechillt im Wasser rum und außer einigen Fontänen und den Rücken sah man nicht viel. Aber trotzdem wahnsinnig beeindruckend, wie auch nicht bei 17 m. Plötzlich tauchte der Wal ab und man sah dieses typische Bild von einem abtauchenden Wal, die Schwanzflosse. Wahnsinn! Zurück an Land als endlich die Übelkeit abgeklungen war, freuten wir uns, dass wir trotz gesehenen Wal, viel viel Geld zurück bekamen. Yay, da hat man einen Wal gesehen und kann sich sogar bald wieder was leisten. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt! Was sagt ihr, Bungey Springen oder Skydiven (Fallschirmspringen)?? Ich kann mich nicht entscheiden… ;-)

Heute verbringen wir noch unsere letzte Nacht Nähe Kaikoura in einem Wald, in dem wir schon Wildschweine gesichtet haben… aber sonst geht’s mir gut:) Morgen geht es weiter nach Christchurch, Erdbebenhochburg überhaupt. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich ein kleines erlebt habe? Auch nicht so spektakulär, wie ich gedacht hatte.


Kleiner Nachtrag aus Christchurch. Nachdem uns Kaikoura zum Abschied nochmals mit Delphinen verwöhnte: Dauerregen. Aber das stört nicht, denn Christchurch gefällt mir jetzt schon und das Haus des Couchsurfers ist zwar weit ab vom Schuss, dafür aber groß und gemütlich. Und der Blick aus den Fenstern ist… grandios. Frisch gewaschen bin ich auch:)

Jetzt wisst ihr wieder, dass es mir gut geht und, dass hier wie immer alles schick ist. Bis bald also…
eure Anne

Lake Rotoroa mit Sandfly-Invasion

auch solche Bilder müssen mal sein: unser Abendbrot kalte Spagetti mit Sandwichkäse und Maggi-yummy

Maruia Falls

Cape Foulwind


Alle vereint: Clara (zumindest fast), Jana, Maria und fast alle Dresdner:) bin doch gar nicht sooo weit weg^^

Weka...
Bilderbuchstrand

Punakaiki

...unbetonierte Straßen machens möglich, Marie die Künstlerin

Pancake Rocks



unsre Nacht am Strand

Anstoßen mit Sonnenuntergang, so muss das sein

Schlafplatz am Meer

Kaikoura: Alpen vs. Meer

Damit sollen wir auf die Suche nach Walen gehen?!?

Kaptän "hört" nach Walen

Da ist er! Schade, dass man das auf Fotos immer nicht so gut erkennt, aber es war wirklich...gut.



wenn Blicke sich treffen...


direkt am Parkplatz

Jule mit Blick auf die Alpen und Kaikoura

der besagte Sonnenuntergang, für ihn legte ich sogar mein Netbook weg:)

Kaikoura

unser derzeitiger Blick aus dem Fenster

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Anne,das sind ja mal wieder Hammerbilder!Da schmilzt doch das Heimweh im Nu weg, oder;)!!
Alles Liebe! Mama:*

Oma Gi hat gesagt…

Wer spricht hier von Heimweh??????????
Hochwasser der Elbe - Sandsäcke - muss man das haben??????????
Dann lieber einen Wal, den man kaum sieht - das ist einmalig!!!!!!!!
Weiterhin viel Freude -
das wünschen dir Oma Gi und Opa Gü aus Cottbus

moeria+lara :) hat gesagt…

laras kommentar zu den bilden: wieso kann man hier kein "gefaellt mir" an die bilder haengen?
Finde ich auch, sollte man einfuehren. das mit dem pupsi und dem riesenmonster von seeloewe ist ein klasse schnappschuss...